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VAL DI FASSA2019Er blickt zurück auf eine Saison, die nicht ganz die erhofften Resultate gebracht hat, der er aber dennoch Positives abgewinnen kann. Und er blickt voraus auf die neue Saison, die mit dem zweiten Teil der Rekrutenschule beginnt. Ein Gespräch mit Semyel Bissig.

Die Resultate der zurückliegenden Saison entsprachen sicher nicht ganz den grossen Hoffnungen, mit denen Du im Herbst gestartet bist. Trotzdem wirkst Du, Semyel, keineswegs unzufrieden. Kannst Du den zurückliegenden Monaten Positives abgewinnen?

Semyel Bissig: Unbedingt. Für mich war das keine Leersaison, sondern eindeutig eine Lehrsaison. Ich habe Erfahrungen gesammelt und viel dazu gelernt und bin, unabhängig von den konkreten Ergebnissen, skifahrerisch wieder ein ganzes Stück weitergekommen. Ich bin sicher, dass im kommenden Winter auch die Resultate stimmen werden.

Dein Hauptziel, eine Medaille an den Juniorenskiweltmeisterschaften, hast Du verfehlt. Gibt es dafür Erklärungen?

Semyel: Ich habe mich am 24. Januar beim Europacup-Riesenslalom in Courchevel verletzt. Die drei Wochen später beginnende Junioren-WM kam für mich eindeutig zu früh. Erst etwa einen Monat später war ich wieder wirklich fit.

Bedeutet das, Du hättest die WM eigentlich auslassen sollen?

Semyel: Man lässt den Saisonhöhepunkt nicht freiwillig aus, wenn es irgendwie doch geht. Die Rückstände in der Abfahrt und im Super G hielten sich in Grenzen und zeigten, was bei einem optimalen Saisonverlauf möglich gewesen wäre. Ich stelle mir, rückblickend, eher die Frage, ob nicht die Verletzung in Frankreich vermeidbar gewesen wäre.

Ist etwas bei Deiner Saisonplanung falsch gelaufen?

Semyel: Das ist eine sehr schwierige und gleichzeitig die entscheidende Frage. Wir haben im Einzelnen nichts falsch gemacht und doch hat sich das Ganze als falsch erwiesen. Es wäre sicher besser gewesen, insgesamt weniger Rennen zu fahren und mir zwischen den Rennen grössere Erholungszeiten zu gönnen. Es kam ja im Dezember auch noch eine Erkältung mit hohem Fieber hinzu…

Tatsächlich fällt auf, dass Du im November in Levi fünf Slaloms in acht Tagen gefahren bist. Wurden bereits da die Weichen falsch gestellt?

Semyel: Ich fühlte mich nach den Rennen in Neuseeland, dem guten Training in der Schweiz und dem Sieg im Fis-Slalom in Diavolezza in Topform und war top motiviert. Die Enttäuschung für das Weltcuprennen in Levi nicht aufgeboten worden zu sein, wollte ich mit entsprechenden Resultaten wettmachen. 

Doch Dir fehlte vor lauter Rennen die Spritzigkeit…

Semyel: Wenn die ersten Rennen so verlaufen, wie Du Dir das vorstellst, kommst Du in einen Lauf, wie man zu sagen pflegt, wenn jedoch die Resultate nicht den Erwartungen entsprechen, passiert oft das Gegenteil. Das ist nicht eine Frage der körperlichen Müdigkeit, sondern ein mentales Problem. Es geht Dir die Leichtigkeit verloren, Du kannst Dich nicht optimal konzentrieren, ohne dass man sich das wirklich erklären kann...

Das meintest Du damit, dass Du Lehrgeld bezahlt hast…

Semyel: Man will zu viel, man tut zu viel und merkt es nicht. Das gilt, vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, für die ganze Saison. Da werde ich in Meiringen Juniorenschweizermeister im Riesenslalom und starte an den beiden folgenden Tagen an Europacuprennen in Frankreich. Rückblickend wäre es sicher besser gewesen, mir ein paar Tage Ruhe zu gönnen. Ich muss lernen, auf meinen Körper zu hören, spüren, was für mich das Beste ist. Und da glaube ich schon, dass ich darin wichtige Erfahrungen sammeln konnte…

Spürtest Du vielleicht auch den Druck der Sponsoren, die von Dir gute Resultate erwarten?

Semyel: Ganz und gar nicht. Das ist möglicherweise sogar die positivste Erfahrung in diesem Winter. Ich habe stets die Resultate gemeldet, aber ich spürte bei meinen Partnern – wir nennen die Sponsoren zu Recht so – nie eine Enttäuschung, im Gegenteil, sie haben mich stets aufgemuntert. Sie kennen die Welt des Sports und haben mich darauf hingewiesen, wie wichtig es für einen jungen Sportler ist, Erfahrungen zu sammeln, und dass dies vielleicht sogar schwieriger wäre, wenn immer nur die Sonne scheint…

Zurück also auf die Piste. Ist es für einen Allrounder wie Dich, der in allen Disziplinen das Potenzial hat, an die Weltspitze vorzustossen, nicht besonders schwierig, das richtige Mass zu finden?

Semyel: Grundsätzlich geniesse ich es, dass ich in allen Disziplinen stark fahren kann. Aber es hat tatsächlich auch seine Tücken. Anfangs Saison war ich davon überzeugt, dass ich im Slalom die grössten Fortschritte erzielen könnte. Im Laufe der Saison war ich aber im Riesenslalom stärker, und nun zieht es mich sogar zu den Speedrennen. Unter dem Schlagwort «auf den eigenen Körper hören» verstehe ich auch, dass ich merke, auf welche Disziplinen ich mich am meisten konzentrieren soll und wann allenfalls der Zeitpunkt gegeben ist, die eingeschlagene Strategie anzupassen.

Und nun machst Du zunächst einmal Ferien?

Semyel:Eine gewisse rennfreie Erholungszeit ist sicher gut, aber ich freue mich schon jetzt auf die nächste Saison, die ich wie üblich im Sommer in Neuseeland beginnen werde. Doch zunächst werde ich den zweiten Teil meiner Rekrutenschule absolvieren und 13 Wochen in Magglingen sein.

Wirft Dich die Militärzeit in Deiner Zukunftsplanung weit zurück?

Semyel: Das Gegenteil ist der Fall. Die Sportler-RS bietet mir optimale Vorbereitungsmöglichkeiten. Ich freue mich darauf wie andere Leute auf ihre Ferien. Mein Kollege Lars Rösti ist auch dabei, aber auch Sportler aus ganz anderen Disziplinen wie etwa Eishockey. Diese Kontakte zu anderen Nachwuchstalenten stellen für mich eine schöne Erfahrung und zusätzliche Motivation dar.

Dann wünschen wir Dir ein gutes militärisches Trainingslager in Magglingen und danken Dir für dieses aufschlussreiche Gespräch.

 

Interview: Andreas Schiendorfer

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